Stefan Klebsch klebt Aquarien
Beim Wort Aquarium tut sich in den meisten Köpfen eine mit Wasser gefüllte Kugel auf, in der zwischen zarten, sich im Gewässer wiegenden Pflänzchen glitzernde Goldfische ihre Kreise ziehen. Ganz neue Bedeutung erhält der Begriff in der Werkstatt der Firma „Aqua Glas“ in einem unscheinbaren Häuschen kurz vor der Ortsgrenze Ranstadts im Wetteraukreis. Munter buddeln sechs schwarz-weiß gesprenkelte Perlrochen, groß wie Essteller, den Sand am Boden eines über 3.000 Liter fassenden, handfesten Wassertanks um. Gleitend schieben sie ihre wallenden Leiber an den Wänden des aus rund 500 Kilo Glas bestehenden Beckens empor. Eine Filteranlage in der Größe eines Kleinwagenmotors ist verantwortlich dafür, dass sich die brasilianischen Genossen im etwa 30 Grad Celsius warmen Wasser wohl fühlen.
„Selbstverständlich fertige ich auch Standardaquarien an“, räumt Stefan Klebsch, der Erbauer des oben beschriebenen Beckens ein. „Spezialanfertigungen machen mir viel mehr Spaß, weil sie mir in künstlerischer, handwerklicher und logistischer Hinsicht Herausforderung bieten“, beschreibt der gelernte Aquarienbauer. Seit sieben Jahren entstehen in der der Werkstatt des ursprünglich zum Kfz- und Elektrogeräte-Mechaniker Ausgebildeten, maßgefertigte Bodenplatten, Millimeter genau geschliffene Scheiben für die Außenwände von Fischbecken, sowie Abdeckungen und Unterschränke, „je nach Bedarf und individueller Vorstellung.“ Auch Terrarien, Vitrinen, „eigentlich alles, was aus Glas, Holz oder Edelstahl der Phantasie entspringt“, ergänzt Klebsch. Er selbst kam über die Faszination für Schildkröten und Fische auf das in Deutschland seltene Handwerk, erlernte es beim Profi.
Vor-Ort-Verklebung
Mit der Selbstständigkeit wuchs sein Bestand in der seit 2001 in seinem Heimatort angemieteten Werkstatt an Geräten wie einer Glasschleif- und einer Putzmaschine sowie einem Glasschneider und vielen mehr. „Mein wichtigstes Arbeitsgerät ist das hier“, sagt Stefan Klebsch und hält eine Silikonspritze in die Höhe. Mit dieser „bewaffnet“ und den in seiner Werkstatt nach Kundenwünschen vorgefertigten Teilen für das zu entstehende Aquarium – in allen Formen und Größen – rückt er im roten Bus zu seinen bundesweiten Kunden aus. „Das nennt sich Vor-Ort-Verklebung“, informiert der Fachmann.
Ausgelaufen sei ein Becken noch nie, gelobt der Vater zweier kleinen Mädchen und betont, dass beispielsweise billiger Pressspan seine Werkstatt noch nie von innen gesehen habe. „Qualität und die professionelle Verarbeitung von Materialien sehe ich als mein Markenzeichen.“ Bei seinem bisher größten Gau habe sich gottlob der Scherben-Mythos bewahrheitet, berichtet Klebsch. Als bei einer Vor-Ort-Verklebung in der Altenburger Volksbank 600 Kilo Glas zu Bruch gingen, hatten er und sein Helfer Glück und konnten diese relativ rasch von einer ortsansässigen Firma ersetzen. „Aber die Stahlkappen an den Füßen meines Freundes hatten Dellen.“ Auch er selbst habe sich nahezu schon einmal an einer Scheibe eine Sehne zertrennt, erzählt er weiter über den scheinbar nicht ganz ungefährlichen Einsatz beim Bau von Becken für beispielsweise das Exotarium des Frankfurter Zoos, der Errichtung von Glasvitrinen für Messen oder auch der Anfertigung von Wandleuchten für ein Restaurant im nahe gelegenen Glauberg.
„Natürlich stelle ich Aquarien auch für die privaten vier Wände her“, betont Klebsch. Er verweist auf seine aquaristischen Werke, die Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer in Stuttgart, Berlin oder Frankfurt zieren. Rund 50 bis 100 Aquarien baue er pro Jahr, zu 95 Prozent für Privatleute. Davon entstehen – aufgrund der Größe – zwei bis drei vor Ort. „In Ranstadt gibt es immerhin eines“, merkt er schmunzelnd an und hat dabei die Becken in der eigenen Werkstatt sowie die drei Aquarien in den Wänden seiner Wohnung nicht mitgezählt.
„Besonders gerne mag ich Projekte mit hoher Anforderung“, gesteht der Aquarienbauer. Damit meint er beispielsweise passgenaue Panoramabauten oder schräge Sichtscheiben sowie L-, Z-, oder U-förmige Seitengläser oder Aluminium-Unterschränke, zum Beispiel mit gelaserten Magnettüren oder mit gepulvertem Glas. „Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt“, freut sich Stefan Klebsch und zwinkert: „Und wer die nicht hat, kann mich natürlich gerne zu Rat ziehen.“
Entstehungsgeschichten und Fotos von Aquarien in den verschiedensten Formen und Größen gibt es auf den Internetseiten von Aqua Glas unter: www.aquaglas.de

