Wie ein Schaufenster in die Erde

„Wie oanst dear Doiwel sich geage uess Herrgott uffgelehnt hatt…“, beginnt die Vogelsbergsage und berichtet vom Abenteuer des Satans, der sich einst in dem Gebirge heimisch gefühlt haben soll…wären da bloß nicht die vielen Vögel gewesen, in erster Linie die Wachtelmännchen, die ihn im Schlaf störten…

Derart sagenumwoben, wie inzwischen grün ist das mit 2.400 Quadratkilometern und rund 500 Milliarden Kubikmetern Basaltvolumen größte Vulkangebiet Mitteleuropas, das aus dem vor rund 17 bis 14 Millionen Jahren aktiven Vulkanismus entstand. „Jede Schicht im Sediment erzählt eine eigene Geschichte“, weiß Gerold Beckmann, Leiter der Fachsektion Vulkan Vogelsberg der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft und einer von 25 frisch gekürten Vulkanführern. Er hält mit seiner Faszination im wörtlichen Sinne nicht hinterm Berg: „So ein Steinbruch ist wie ein Schaufenster in die Erde.“

Um die Entstehung und den Werdegang des Schildvulkans Vogelsberg, seine Historie, aber auch seine Legenden und Mythen aus den Tiefen des Gesteins ans Licht zu holen und vor allem der Öffentlichkeit weiter zu geben, haben sich die Vogelsberger Vulkanexperten in acht Seminartagen, von Januar bis April ausbilden lassen. Zuvor wurde im März 2007 die Fachsektion Vogelsberg der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft e.V. mit Sitz in Mendig/Eifel gegründet. Inzwischen verzeichnet der gemeinnützige Verein etwa 700 Mitglieder aus 15 Ländern, davon mehr als 100 in der Fachsektion Vogelsberg, die sich dem Sinn und Zweck verschrieben haben, die Region vulkanologisch, kulturhistorisch und touristisch weiter zu entwickeln.

Ein Schatz unter den Füßen

Denn, so die herrschende Meinung, „mit dem größten zusammenhängenden Vulkangebiet Europas besitzen die Oberhessen einen Schatz unter den Füßen, der im Laufe der nächsten Jahre sichtbar und erlebbar gemacht werden soll.“ Und das obgleich das mittelhessische Bergmassiv ein „grüner Vulkan“ ist und man sagt, dass die Vogelsberger diese Schönheiten für sich behalten wollen und deshalb die Geotope im Wald „versteckt“ haben.

Die Spezialisten, Dr. Ingeborg Guba, ihres Zeichens emeritierte Professorin für Grubengeologie, aus Stadtallendorf, sowie Diplom Geologe, Dr. Carlo Dietl von der Universität Frankfurt und Diplom-Ingenieur Franz Dietrich Oeste, der in Münzenberg einen geologischen Garten pflegt, haben die 25 Seminarteilnehmer der Vogelsberger Vulkansektion unterrichtet und weiter gebildet. „Die meisten von uns arbeiten bereits als Natur- und Kulturführer und haben ihr Wissen, speziell über den hiesigen Vulkan weiter ausgebaut“, verrät der 1949 geborene, stellvertretende Leiter der Vogelsberger Fachsektion, Erhard Müth, der in Gedern ansässig ist und sich selbst mit einem Zwinkern als „Vogelsberger Urgestein“ bezeichnet.

„Basaltorden am Bande“

Themen wie Minerale, Gesteine und ihre Bestimmungen, Vulkanismus, Verwitterungsprozesse, aber auch Wissenswertes über Bodenschätze und Rohstoffe, der Weg des Wassers von der Quelle oder Geopädagogik sowie schließlich die Exkursion in den Münzenberger Geologie-Garten, standen für die Eruptionsexperten auf dem insgesamt 50-stündigen Fortbildungsprogramm, das unter anderen die OVAG finanziell unterstützte. Allesamt erhielten die erfolgreich mit einem Test geprüften Vulkanführer im 15. Mai von der seit 21 Jahren bestehenden Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft dafür ein Zertifikat und den „Basaltorden am Bande“.



Von Galgenstätten, Hexensteinen, „Weisen Frauen“ und zum Tode verurteilten erzählen sie auf ihren Führungen durch das Vogelsberger Gestein, beispielsweise am Hopfmannsfelder Galgen oder am Teufelsstein bei Ilbeshausen-Hochwaldhausen. „Der mystische Aspekt ist aber nur eine Seite“, weiß Vulkanführer Beckmann. Es gebe zwei Arbeitsgruppen: Eine, die sich mit der so genannten Vulkanstraße und den Geotopen - also Felsformationen und Steinbrüchen – beschäftige und eine weitere, die den archäologisch-kulturhistorischen Aspekt beleuchte – sprich die Geschichte des Vulkans im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung der Menschen, die im unmittelbaren Umfeld lebten. Müth erläutert: „Wir wollen sachliche Informationen über die Entstehung der Vulkane mit interessanten Anekdoten verbinden. Es macht Spaß, die Zuhörer mit einer runden Story zu fesseln.“ Wenn dann der Nebel aus den Tälern steigt, sei die Stimmung perfekt. „Nun, manchmal nicht ganz“, wendet der ebenfalls frisch ausgebildete Vulkanführer, Rolf Heuchert-Frischmuth ein: „Das ist schon sehr spannend, wenn man sich als Führer im Voraus einer Gruppe im Dunst auch einmal selbst verläuft.“ Er bleibe dann souverän, erkläre rasch etwas am Wegesrand: „Das musste ich Ihnen jetzt unbedingt zeigen“, lacht er und führe dann die Gruppe auf den vermeintlich richtigen Weg zurück: „Aber nun bitte ich Sie hier entlang.“

Mit Charme und Fachwissen

Mit Charme und fachkundiger Unterhaltung bieten die Vulkanführer der Sektion Vogelsberg also Führungen von zwei Stunden bis ganztägigen Exkursionen in der gesamten Vulkanregion Vogelsberg zwischen Lauterbach, Alsfeld, Grünberg, Laubach, Nidda, Büdingen, Gedern und Schotten. Zudem in Planung: Die Anknüpfung des Vogelsberg-Gebiets an die bereits bestehende, etwa 280 Kilometer lange „Deutsche Vulkanstraße“, die als touristische Ferienstraße durch die Eifel führt und über das Siebengebirge und den Westerwald hinaus verlängert werden soll. „Ein zwölfköpfiges Gremium erarbeitet derzeit Pläne für das hiesige Gebiet“, berichtet der aus Grebenhain stammende Vogelsberg-Vulkanleiter Beckmann. Zudem solle unter der Regie der Stadt Schotten auf dem Hoherodskopf ein neues Besuchererlebniszentrum mit einem „Vulkaneum“ – einer Mischung aus technischer Erlebniswelt und Vulkanmuseum – entstehen. Rund drei bis fünf Millionen Euro werde das Projekt kosten, bei dem die engagierten Mitglieder des „oberhessischen Vulkanvereins“ mit den Landkreisen und Gemeinden an einem Strang ziehen. Auch auf Visionen, die Vulkanregion Vogelsberg zu einem UNESCO-Geopark weiter zu entwickeln, weist Beckmann hin.

Sagenhafter Vogelsberg…

Es gibt ihn sogar zweimal: Einmal den 598 Meter hohen Berg namens Vogelsberg im Gemeindegebiet Feldatal (Gemarkung Köddingen), zum anderen das Gebirge mit dem Taufstein und seiner höchsten Erhebung von 773 Metern.
Die Feldataler behaupten natürlich, ihr Berg sei das Original, doch davon wollen die anderen Bewohner im Gebirge nichts wissen. Und so hat man, wie bei allem, was in dem Gebiet unklar scheint, die sagenhaften Umtriebe des Teufels zu Rate gezogen. – Denn im Vogelsberg, seit jeher dünn besiedelt, suchten die Menschen Schutz im Zusammenleben in kleinen Dörfern, wollten dadurch die Angst vor den dunklen, verborgenen, unerklärlichen und unerforschlichen Mächten verdrängen, die dort draußen ihr Unwesen trieben, wenn der Wind heulte, Wetter tobten. Die Phantasie brachte Märchen und Geschichten hervor, projizierte Geister und Hexen, Teufel und Wilde Jäger in die Wälder, auf Wiesen und Felder, in die Lüfte und unter die Erde und die Menschen „sagten“ diese Erzählungen von einer Generation zur anderen weiter…

Als der Teufel sein Unwesen trieb…

So sagt man sich, dass als der Teufel wieder einmal auf der Welt sein Unwesen trieb, Gott ihn ärgerlich zu sich zitierte. Dort oben benahm er sich aber auch so schändlich, dass man ihn sofort wieder hinauswarf. Er fiel lange und tief, landete aber weich auf dem Strohdach einer Schmiede in Herchenhain und begann sofort wieder mit seinem boshaften Treiben. Gierig war er auf des Schmiedes Seele und versprach viel Geld und Gold dafür. Da die Herchenhainer nicht zu den reichsten Leuten gehörten, liebäugelte der Schmied sehr mit dem Gold, wollte aber dennoch seine Seele behalten. Er handelte drei Jahre Aufschub aus. Der Teufel solle die Seele bekommen, wenn er dann drei Fragen richtig beantworten könne.
Die Zeit verging schnell und der bewusste Tag kam näher. Der Schmied war ganz verzweifelt, traf aber zu seinem Glück ein altes Kräuterweibchen, die ihm Rat und Fragen gab. Eigentlich waren es einfache Fragen, die der Schmied dem Teufel stellte, eine davon, aus welchem Material das Ziehseil am Brunnen bestehe. Der Teufel meinte, es sei aus Hanf, doch der Schmied bewies ihm, dass es ein Drahtseil war. Mit Hanf hatte er es nur umwickelt. Er fragte ihn auch nach dem Namen eines großen Vogels, doch der Teufel wusste auch dies nicht und so verschwand er zornig fluchend mit sagenhaftem Gestank. Der Schmied erhielt das Gold und behielt seine Seele. Die Gegend aber nannte man von da an Vogelsberg.

„Hol´ mich der Teufel“

Eine andere Version der Geschichte besagt, dass einmal ein Bauer war, nicht arm, nicht reich. Der verkaufte am Markt in der Kreisstadt ein Schwein, um so ein paar Notgroschen für den eisigen Winter im Gebirge zurückzulegen. Mit Freunden feierte er sein Geschäft. Zu fortgeschrittener Stunde schlugen sie dem Mann eine Wette vor: Dass er sich nicht traue, um zu seinem Hof zu gelangen, die Abkürzung durch den Wald zu gehen. „Hol' mich der Teufel“, sagte der Bauer. „Mitten durch den Wald geh' ich!“ Und dort traf er auch just den Teufel, der ihn sofort holen wollte.



Da unserem Mann eine gewisse Bauernschläue zu Eigen war, handelte er mit dem Teufel einen Vertrag aus: Der solle ihn erst in drei Jahren holen, wenn seine Kinder groß wären und der Böse zusätzlich drei Aufgaben lösen könne. Der Teufel, sicher zu gewinnen, sagte zu.

Pünktlich im dritten Jahr kam der Bösewicht vom Teufelskopf herüber. Freudig erregt wollte er die arme Seele holen, doch unser Bauer legte ihm drei Lockenhaare vor, die er gerade schmieden solle - Fehlanzeige! Dann zeigte der Erdenmensch ein flach geschmiedetes Eisen und fragte, was denn daraus werde. Was der Teufel auch antwortete, es war immer falsch: sagte er Schippe, so schlug der Bauer das Eisen krumm, und es wurde eine Hacke, sagte er Hacke, so ließ er es flach und gerade, und es war eine Schippe. Als Letztes hatte der Bauer noch eine Aufgabe: Er hatte sein Weib entkleidet, in Brotteig gewälzt, in ein aufgeschnittenes Federbett getaucht und sie im Oberwald auf eine uralte Eiche gesetzt. Er fragte den Teufel nach dem Namen dieses merkwürdigen Vogels, doch der Satan kannte ihn nicht und fluchte: „Verdammter Vogel auf diesem Berg!“ Dann verschwand er wieder mit sagenhaftem Gestank. Seit dieser Zeit nennt man die Gegend, in der sich dies zutrug: Vogelsberg!
Hat man nun einen einzelnen Berg oder das gesamte Gebirge nach diesen außerordentlichen Ereignissen benannt? Bauer oder Schmied jedenfalls, die klären könnten, ob sie durch den Wald nach Köddingen gehen wollten oder anderswo hin, leben heute nicht mehr. Und der Vogel auf dem Baum? Vögel gibt es jedenfalls heute noch sehr zahlreich in der Region; sogar seltene Arten, die nicht jeder kennt…



Die alten Erdleute

Die Volkartshainer am Südostabfall des Gebirges glauben hingegen an keine der beiden sagenhaften Überlieferungen. Sie meinen vielmehr, ihre alten Edelleute, die Volkharde, die das Dorf gründeten, hätten auch dem Gebirge seinen Namen gegeben: Erst „Volkhardsberge“, dann, durch ungenaue Überlieferung mündlich weitergegeben und 1236 erstmals in einer Urkunde festgehalten, „Vogilsberg“.

Andere behaupten sachlich und nüchtern, alt- oder mittelhochdeutsche Wortstämme wie feld oder velt, sogar das altenglische folde, seien Ursprung für den Namen. Im Dialekt sei daraus, in Anlehnung an die vielen Vögel, Vogelsberg geworden.

Vogelsberg: Magma und Mensch schufen Natur- und Erholungsgebiet

Von den schönen Aussichtspunkten des Vogelsberges überblickt man heute einen landschaftlich vielfältigen „Flickenteppich“: Wälder, Äcker und Wiesen im Wechsel mit kleinen Dörfchen, baum- und buschgesäumten Bächen und sich verträumt schlängelnden Verkehrswegen – idyllisch und abwechslungsreich zugleich.
Der Vogelsberg ist ein erloschener Schildvulkan aus dem Jungtertiär. Er überdeckt Sedimente (Bundsandstein und Rupelton) eines Meeres aus dem Mitteloligozän (vor rund 50 bis 60 Millionen Jahren). Ursache für seine Entstehung waren Krustenbewegungen, die sich an hauptsächlich nordsüdlich gerichteten Bruchzonen vollzogen. Der Oberrheingraben, der niederrheinische Grabenbereich und die herzynischen Brüche, besonders die Harznordrandstörung, trafen unter dem heutigen Vogelsberg zusammen. Hier, wo die Erdkruste stark in einzelne Schollen zerstückelt war, bestanden beste Voraussetzungen für den Aufstieg des basaltischen Magmas. Jedoch gab es keinen zentralen Krater, vielmehr wurde die Lava aus vielen langen Spalten an die Oberfläche gepresst und ergoss sich in einer Stärke von mehreren hundert Metern über den bestehenden Buntsandstein. Innerhalb dieses Basaltblocks sind Schichten aus Tuff und Ton zwischengelagert. Zudem brachen kleinere Schlote durch und setzten die für die Landschaft typischen Kuppen auf.

Vor rund 15 Millionen Jahren

Die ersten vulkanischen Ausbrüche fanden im unteren Miozän vor rund 15 bis 20 Millionen Jahren statt. Erst vor etwa sieben Millionen Jahren, im Torton-Sarmat oder auch im unteren Pliozän, der letzten Epoche der Tertiärzeit, dürfte der Vogelsberg erloschen sein. Während seiner eruptiven Tätigkeit, die sich über einen großflächigen Raum erstreckte, wurden aus zahlreichen Einzelvulkanen neben Tuffen und Schlacken gewaltige Lavamengen ausgestoßen, die sich, oft gegenseitig überlappend, über eine Fläche von rund 2.500 Quadratkilometern ausbreiten. Mit seinen verschiedenen Basalten und Basalttuffen ist er das größte zusammenhängende Vulkangebiet des europäischen Festlandes.
Zwischen den einzelnen Ergussphasen lagen oft lange Ruhezeiten mit starker Abtragung. Im jetzigen Oberwaldgebiet hielt die vulkanische Tätigkeit wohl am längsten an. Dies war das Zentrum des Vulkanismus. Erosionen, vorwiegend Wasser, verliehen in den folgenden Zeiten dem Vogelsberg sein heutiges Aussehen, hobelten einzelne Basaltschichten ab und schufen dadurch Plateaus und wannenförmige Mulden, schnitten tiefe Täler und lagerten dort klein gemahlenen Schutt ab. Harte Gesteine blieben davon verschont. Sie trennen die Täler und ragen – heute vielfach als Naturdenkmale – an vielen Stellen als skurrile Gebilde aus dem Boden.
Das heutige Relief des Vogelsberges ist demnach das Ergebnis von allseitig wirkenden Abtragungskräften und zeitweiligen Hebungsvorgängen. Besonders die nachfolgenden Eiszeiten, vor etwa 2,5 Millionen Jahren beginnend, veränderten das einstige Tundrengebiet durch mechanische Gesteinszerkleinerung, flächenhafte Abtragung und vor allem Ausnagung (Erosion) der Bach- und Flusstäler – übrigens in einem Ausmaß, wie sie keine andere Klimazone der Erde auch nur annähernd erreichte.
Vor allem während der Eiszeiten wehten zudem durch gewaltige Staubstürme große Mengen eines gelblichen Mehlsandes (Löß) heran, die sich in stellenweise meterdicken Schichten über die Basaltdecke und Verwitterungsprodukte schichteten. So ist der ehemalige Vulkan, mit seinen Kuppen, Hängen und Tälern, auch heute noch ein vielfach von der Natur veränderter Abtragungskörper. Der „Zahn der Zeit“, Hitze, Frost, Wasser, Eis und Wind, gestalteten im Laufe der Jahrmillionen die Formen und Strukturen dieser Landschaft und gaben ihnen die heutige Oberflächenform. Von der einstmals geschlossenen Basaltpanzerung verbleibt ein zernagter Rest, von dem sich strahlenförmig eine Vielzahl von Bächen, Quellen und Rinnsalen zu Tal schlängeln.

Natürlicher Wasserspender

Der Vogelsberg ist nämlich einer der größten natürlichen Wasserspeicher Deutschlands - und auch eines der regenreichsten Gebiete. Die durchschnittliche Menge an Niederschlag pro Jahr beträgt im Oberwald zwischen 700 und 1200 Millimeter pro Quadratmeter. Zwischen 30 und 80 Schneetage gibt es dort im Jahr und etwa 180 Tage mit Nebel. Alle drei Faktoren, dazu eine langsame Schneeschmelze, sind wichtig, um das Grundwasservorkommen des Gebirges zu erhalten, beziehungsweise eine Grundwasserneubildung zu ermöglichen.
Lange Zeit war die Region aufgrund ihres rauen Klimas und der hohen Niederschläge nur sehr schwach besiedelt. Erst ab etwa dem 5. Jahrhundert u. Z. änderte sich dies und eine große Rodungs- und Siedlungsperiode setzte ein, die bis weit ins zweite Jahrtausend anhielt. Damals entstanden viele der kleinen Vogelsbergdörfer. Auch die Rodungszeit und Inbesitznahme des Landes durch den Menschen gaben dem Vogelsberg sein heutiges Gepräge. Die Laubwälder wurden zur Landgewinnung und zur Holzkohlenherstellung für Waldschmieden und Glashütten gerodet. Ein erheblicher Teil des Landes kam für den Ackerbau unter den Pflug. Lediglich die Hochlagen, der heutige Oberwald, blieben aufgrund ihrer „Unwirtlichkeit“ verschont; ebenso die flachgründigen und unfruchtbaren Bergkuppen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm der Wald dann wieder zu. Für die Wiederaufforstung wurde ab etwa 1850 aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus die Fichte im Vogelsberg eingeführt, die es hier vorher nicht gab. Sie nimmt heute rund 50 Prozent der Waldfläche ein.

Vielschichtig

Die auf diese Weise, im wahrsten Sinne vielschichtig, entstandene Landschaft bietet heute einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt Lebensraum und Existenzgrundlage. Um den sowohl für den Naturhaushalt als auch für den Menschen als Erholungsgebiet hochwertigen Lebensraum zu schützen und seine künftige Weiterentwicklung erhaltend zu lenken, wurde der Vogelsberg bereits 1956 zum Landschaftsschutzgebiet und 1958 der Naturpark Hoher Vogelsberg geschaffen. Besonders wertvolle Lebensräume, wie zum Beispiel das Hochmoor, die Goldwiese, der Geiselstein, die Forellenteichwiesen im Oberwald, die Taufsteinkuppe, der Erstberg bei Sichenhausen, der Rothenbachteich, der Obermooser Teich und weitere, stehen unter strengem Naturschutz.
Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden, dem Landkreis, dem Vogelsberger Höhen-Club und den Waldbesitzern errichtete der Naturpark Hoher Vogelsberg aber auch zahlreiche Erholungsmöglichkeiten für Besucher. So erschließen Waldparkplätze und ein großes Wanderwegenetz die gesamte Vogelsberglandschaft.

Mehr Infos gibt es im Internet unter: www.vogelsberg.de, www.vogelsberg-touristik.de, www.hoherodskopf.net, www.vogelsbergkreis.de, und vielen anderen… Direkter Ansprechpartner: Herr Gerold Beckmann, Tel. 06643 7761 oder gerold.beckmann@web.de


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