Presseinformation

Ekelgefühle vor „Igitt-Tieren“ abbauen

Meldung vom 06/10/2010

Junge Forscher der Kurt-Schumacher-Schule mit der OVAG auf Naturexpedition

Jagdfieber am Heitzhöfer Bach in Karben! Die Schülerinnen und Schüler der 6aG der Kurt-Schumacher-Schule streifen wachen Blickes durch das knöchelhohe Gras und ziehen Kescher hinter sich her. „Keschern“ nennt das Fachmann Tobias Reiners von der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie) und macht den Nachwuchsforschern gewissermaßen Mut zu überraschenden Entdeckungen: „Keine Angst vor Spinnen oder was ihr sonst so findet. Keines der Tiere beißt.“ Nur die „großen gelben Spinnen, die meistens im Gebüsch in ihren Netzen hängen, lasst lieber in Ruhe.“ Warum, das lässt der Tierökologe geheimnisvoll in der Schwebe.

Wie auch immer. Der 12-jährige Daniel ist der Erste, der einen Erfolg meldet. „Sechs Beine und Flügel – das ist also ein Insekt“, taxiert Tobias Reiners. „Fester, harter Rücken – ein Käfer.“ Schwupps landet das Tier in einer Plastikbox, wird freilich nach genauem Studium durch zig Kinderaugen wieder in die Freiheit entlassen.

Groß ist die Begeisterung der Schulklasse bei dieser zweistündigen Expedition. „Mal was ganz anderes als der normale Biounterricht“, freut sich Robert (12). „Ich bin bestens vorbereitet“, meldet sich Janina, während sie ihre Arme mit Insektenspray besprüht. „Beim Fahrradfahren habe ich mir gestern schon drei Bremsenstiche geholt.“ Interesse und Begeisterung – deshalb hatte sich Biologielehrer Claus-Carsten Behrendt wie weitere 200 Schulklassen in Oberhessen für die diesjährige OVAG-Aktion „Unterricht in der Natur“ beworben und die drei jeweils zweistündigen Unterrichtseinheiten „Bionik“, „Wasser“ und „Insekten“ gewonnen.

Von der Unterrichtseinheit „Bionik“, die über Erfindungen berichtet, welche sich der Mensch aus der Natur abgeguckt hat, ist Robert besonders die Mohnblume in Erinnerung geblieben. „Sie verteilt gleichmäßig ihren Samen“, doziert er kurz. „Daraus ist der Salzstreuer entstanden.“ Derartiger Unterricht, weiß Tobias Reiners, ist stets besonders effektiv. „Was Kinder und Jugendliche mit eigenen Augen sehen oder entdecken, bleibt immer haften.“

Heute geht es am Heitzhöfer Bach darum, einen „Sack voller Insekten“ zu sammeln. „Außerdem möchte ich zeigen, dass ein Gewässer wie ein Bach voller Leben ist, dass sich auch unter Steinen viel abspielt“, sagt Reiners. Doch da ertönt der nächste Ruf einer erfolgreichen Jägerin: „Habe ein Igitt-Tier im Kescher.“ Schmunzelnd eilt Tobias Reiners durch das feuchte Gras, um Entwarnung zu geben und Aufklärung zu leisten. „Meist“, sagt er noch schnell im Weggehen, „haben die Kinder nach einem solchen Vormittag viel weniger Ekel vor Insekten als zuvor.“

Zufrieden mit dem Unterricht und seinen Schülern ist jedenfalls Lehrer Claus-Carsten Behrendt. „Im nächsten Jahr werde ich mich mit einer anderen Klasse wieder bei diesem OVAG-Projekt bewerben. Das ist schon eine tolle Sache.“

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